Ein Interview mit Tad Williams, Teil 2

Part One of OstenArd.com’s exclusive interview with Science Fiction/Fantasy author Tad Williams into German language by OstenArd.com contributor Olaf K is here. Below is the translation of the second part of the interview, translated by OstenArd.com contributor Ylvs, for German-speakers.

In diesem Teil des Interviews fragen wir Tad Williams, wie es sich anfühlt nach Osten Ard zurückzukehren, wie er auf Michael Whelans Ankündigung reagiert hat, erneut die Umschläge der Originalausgabe zu illustrieren und was er für ‚die Hexenholzkrone‘ so alles recherchiert hat.

Michael Whelan Originalcover von ‚das Geheimnis der Großen Schwerter‘

Michael Whelan Originalcover von ‚das Geheimnis der Großen Schwerter‘

OstenArd.com: Kürzlich wurde angekündigt, dass Michael Whelan, der schon die Originalcover von ‚das Geheimnis der Großen Schwerter‘ gestaltet hat, für ‚Der Letzte König‘ wieder zum Pinsel greifen wird. Als ich im November persönlich mit Michael sprach, war er begeistert und stolz wieder gefragt worden zu sein. Was sagst Du dazu, dass seine großartige Kunst wieder Deine Bücher zieren wird?

Tad Williams:  Ich finde es schlicht wunderbar. Es ist auch schwer vorstellbar, sie irgendjemand anderem zu überlassen, so sehr hat Michael ihnen seinen Stempel aufgedrückt. Ich habe Michaels Arbeit immer geliebt, lange bevor sich unsere Karrierewege kreuzten. Lange bevor ich überhaupt eine Karriere hatte. Ich bin total begeistert und neugierig, was er erschaffen wird und sehr stolz, dass er wieder dabei sein will.

OA.com: Auf dem TadWilliams.com message board hast Du eine Teilliste der Charaktere veröffentlicht. Gibt es Pläne eine detailliertere und umfänglichere Liste zu veröffentlichen? Oder würde das zuviel verraten?

Tad: Ich habe vor die Liste irgendwann – vermutlich nachdem die erste Überarbeitung des Manuskripts abgeschlossen ist – zu  korrigieren und zu aktualisieren. Ich werde vielleicht auch die Kapitelüberschriften verraten. Sie enthalten nichts, woraus man verlässliche Schlussfolgerungen ziehen könnte, aber werden sicher für prima Spekulationen sorgen.

OA.com: Bei der Erstveröffentlichung von ‚die Großen Schwerter‘ war die Reaktion von Kritikerseite enttäuschend, da diese das Werk als reine Genreliteratur lasen und seine Vielschichtigkeit übersahen. Nur einige wenige Kritiker (wie Roz Kavenay) haben über den Tellerrand hinaus geblickt und es als revisionistische Fantasy erkannt. Heute, 30 Jahre später, wird die Trilogie von einer neuen Generation Schriftsteller  (Brandon Sanderson, Christopher Paolini, sogar GRR Martin) als Vorbild genannt und weithin als Klassiker betrachtet.
Bist Du nach wie vor über die  mangelnde Anerkennung durch die Literaturkritik enttäuscht? Und glaubst Du, die neue Trilogie wird das ändern?

Tad: Ich habe mich weitgehend damit abgefunden, dass ich – aus welchen Gründen auch immer – eine dieser seltsamen Geschmacksrichtungen bleiben werde, wie diese merkwürdigen Eiscremesorten, nach denen einige Leute ganz wild sind und andere nicht verstehen, was das ganze Gewese soll. Und um fair zu bleiben: ich schreibe einfach nur die Fantasy- und Science-Fictionbücher, die ich selbst gern lesen würde. Ich halte mich selber nur für halb so wichtig. Aber ja, es ist ermutigend, wenn Leser tatsächlich mitbekommen, dass ich jede Menge Hirnschmalz und Sorgfalt in diese Bücher stecke, dass ich nicht einfach nur extralange Rollenspielabenteuer schreibe, dass ich einiges mehr an Fähigkeiten und Interessen ins Spiel bringe. Meine Frau sagt immer: „Mach dir keine Sorgen, sie (Kritiker und Trendsetter) werden Dir den Hintern küssen, wenn Du erst mal tot bist“, worauf ich gemeinhin antworte: „Das klingt für uns alle nicht lustig.“

OA.com: Hat sich die Gesellschaftsstruktur in Osten Ard in den vergangenen 30 Jahren verändert? Hatten Simons  Jugenderlebnisse nachhaltigen Einfluss auf sein Königsein und wenn ja: war er in der Lage Dinge zu verändern? Wollte er das überhaupt?

Tad: Das wird ein Teil der Geschichte sein, deshalb ist es schwierig zu beantworten ohne Sachen zu verraten. Aber ja: Simon und Miri und die Lektionen, die ihnen das Leben erteilt hat, haben eine Menge damit zu tun, wie sich Osten Ard entwickelt hat. Sie wollen beide „gute“ Herrscher sein und haben seit dem Ende von ‚der Engelsturm’ viel Zeit damit zugebracht herauszufinden, was das bedeutet und wie es erreicht werden kann – mit gemischten Ergebnissen (was für uns alle für alles gilt).

OA.com: Wie schwierig ist es „mit Dir selbst“ zu arbeiten, eine Fortsetzung von etwas zu schreiben, das Du vor über 20 Jahren abgeschlossen hattest? Versuchst Du Stimmung und Stil des Originals zu treffen oder vertraust Du einfach Dir selbst, dass es schon richtig werden wird? Erwischst Du Dich dabei, wie Du Dich an Gedanken oder Gefühle von damals erinnerst, als Du Das Geheimnis der Großen Schwerter geschrieben hast, an Dinge, die Du völlig vergessen hattest?

Tad: Das werde ich erst wissen, wenn ich fertig mit Schreiben bin, denn während ich schreibe besteht alles aus losen Enden und rauen Kanten, die zusammengeführt und geschliffen werden müssen. Da bin ich grade: lauter lose Enden.
Einiges ist einfacher als bei einem ersten Roman, weil ich zum Beispiel schon sehr grundlegend weiß, wer Simon und Miriamele sind und ich ein sicheres Gefühl dafür habe, was für ihr erwachsenes Selbst angemessen ist und was nicht. Aber selbstverständlich versuche ich nicht nur den Stil zu treffen oder die älteren Charaktere glaubhaft aus ihrem jüngeren Selbst zu entwickeln; ich versuche darüber hinaus Eindruck und Auswirkung zu rekreieren. Ich weiß natürlich, dass ich nie wieder eine Geschichte schreiben kann, die den älteren Lesern genauso viel bedeuten wird, doch ich wünsche mir, dass sie sich passend anfühlt, dass ich alten Lieblingsfiguren gerecht werde und gleichzeitig die Fortsetzung durch neues Material rechtfertigen kann. Und natürlich darf ich auch all die neuen Leserinnen und Leser nicht vergessen, die die alten Bücher gar nicht kennen. Die will ich nicht ausschließen, indem ich ein Nostalgiefest feiere. Es ist wirklich ein spannendes und  machmal auch beängstigendes Projekt.

OA.com: Du hast mal erwähnt, dass Du für die Shadowmarchreihe ausführlich recherchiert hast, beispielsweise Geologie, wenn ich mich recht erinnere. Was recherchierst Du für ‚der letzte König‘ ?

Tad: Ach herrjeh, was recherchiere ich nicht? Ich zähl mal ein paar zufällig ausgesuchte Lesezeichen auf:

Die Morrígan,
die Schlacht von Walcourt,
Liste Anglo-sächsischer Ortsnamen,
Eishöhlenbild,
3D-Pläne von Skipton Castle,
Tetraplegie,
Traditionelle gälische Namen,
Mönchtum in Westeuropa,
Männliche und weibliche Tierbezeichnungen,
Geschichte des Wollhandels,
Krähenhorst,
Indoeuropäische Urspache,
Akasha (Name),
Entheogene in der Antike,
Parthenokarpie,
Zentralasiatische Steppen,
das mythische Thule,
Sámi Volk,

und so weiter und so weiter, so ungefähr fünfhundert Lesezeichen lang. Ganz abgesehen von den etwa vierzig Referenzfachbüchern, die ich allein für diese Geschichte benutze und den unzähligen Notizen zu den ersten Büchern und verschiedenem anderen Zeugs. Es steckt eine Menge Recherche in all meinem Kram, aber ich glaube dies hier wird – was die Menge an Material angeht, das ich benutzt habe – nur von ‚Otherland‘ übertroffen.
(wird fortgesetzt)